19.05.2006 | Pressemitteilung des ÄKV Ebersberg

Gesundheitsversorgung unter Spardiktat. Angemessene medizinische Versorgung und Arbeitsbedingungen in Klinik und Praxis werden nach Kassenlage definiert.
Ausbeutung der Ärzte als selbstverständlicher, niemals hinterfragter und fest einkalkulierter Bestandteil des Medizinbetriebs. Einsparungen über Jahrzehnte in Klinik und Praxis zu Lasten der Ärzte, ohne einen Hauch des schlechten Gewissens bei den Nutznießern und auch ohne dass dies auch nur realisiert würde.
Immense Arbeitsintensität in Klinik und Praxis, um immer mehr kranke Menschen immer schneller und wirtschaftlicher zu behandeln. Dabei aber Regelungen, die alles ärztliche Handeln mit einem Grundverdacht belegen.
Ausufernde Kontrollbürokratie, die mehr Arbeitszeit verschlingt als die Krankenbehandlung - Misstrauen als Staatsprinzip.
Aussitzen, ignorieren, ablenken, Diffamierungen und Neidkampagnen als regelmäßige politische Antwort auf Missstände.
Was für ein mieses, zynisches Menschenbild!
Und deshalb werden die Ärzte am 19.5.2006 wieder in Berlin zum Protest auf die Straße gehen.
Wir protestieren gegen die nicht mehr zu bewältigende Bürokratie, gegen die entmündigenden Gesetze, die den mit Strafe bedrohen, der seine Patienten behandelt, gegen eine Gesundheitsreform, die Ärzte wieder nur als lästige Statisten an den Rand stellen will.
Die Verantwortung gegenüber unseren Patienten bedeutet auch, dass wir deutlich sagen, unter welchen Bedingungen wir diese Verantwortung nicht mehr tragen können. Besserung ist nicht in Sicht. Die Macher einer Gesundheitsreform tagen hinter geschlossenen Türen. Ärztlicher Sachverstand wird geradezu vermieden – vielleicht um besser „durchregieren“ zu können. Nur die „2. politische Reihe“ lässt einen Versuchsballon zur Gesundheitsreform nach dem anderen steigen. Ideologie triumphiert, die Erkenntnis, dass Strukturreformen erst einmal Geld kosten bevor Ersparnisse möglich sind (vor allem wenn Bestehendes zerschlagen wird), wird ignoriert. Vielleicht ist es dann nur gut, dass am Ende wohl aus dem Konsens der Koalitionsführung nur wieder ein Kostendämpfungsreförmchen entstehen kann. Die Bundeskanzlerin sollte vielleicht nach vielen Antrittsbesuchen auch endlich einen bei ihrem Volk machen.
Nur die Ärzte können die Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems erhalten. Wer bei ihnen die Sparschraube überdreht, sie in permanentem Stress arbeiten lässt und an der kurzen Leine gängelt, wird unser Gesundheitssystems zu Grunde richten und schließlich auch den geduldigsten Arzt demotivieren und zum Ausstieg zwingen. Und wer, wie Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die Lücken dann mit osteuropäischen Medizinern schließen will, sollte überlegen, ob sie mit dieser Bevölkerung noch weiter regieren will oder sich nicht besser eine neue Bevölkerung wählt