15.11.2006 | Pressemitteilung des ÄKV Ebersberg

Eine bislang nicht veröffentlichte Studie einer gesetzlichen Krankenversicherung schürte wohl aufs Neue die Befürchtung einer Bevorzugung von Privatpatienten bei der Terminvergabe in der Arztpraxis.
Beschwerden über diese Art eines ärztlichen Fehlverhaltens sollten zuständigkeitshalber bei den Ärztlichen Kreisverbänden vorliegen. Den Ärztlichen Kreisverband Ebersberg erreichte in den vergangenen 10 Jahren keine einzige Beschwerde, die die Terminvergabe durch niedergelassene Ärzte zum Gegenstand hatte.
Auch wenn der Landkreis Ebersberg mit 173 niedergelassenen Ärzte rein rechnerisch als “überversorgt” gilt, ist nicht jeder Terminwunsch zeitnah zu realisieren. Einem Pat., der z.B. in Glonn den Arzt seines Vertrauens aufsuchen möchte, ist mit einem freien Termin in Poing nicht unbedingt geholfen. Terminwartezeiten ließen sich somit nur vermeiden, wenn noch mehr ärztliche Arbeitszeit vorgehalten würde. Die Begrenzung bzw. Verminderung der Zahl niedergelassener Ärzte ist aber neben der generellen Kostenreduktion in der gesetzlichen Krankenversicherung erklärtes Ziel bislang aller Gesetzesreformen.
Eine Vergabe der Termine streng nach der Reihenfolge der Anfragen, wie vielleicht von der Bundesgesundheitsministerin bevorzugt, ist aber unsinnig, da hier Notfälle nicht mehr berücksichtigt würden. Die bisherige Übung, Termine nach der erkennbaren medizinischen Notwendigkeit zu vergeben, ist aus unmittelbar einsehbaren Gründen viel sinnvoller, auch wenn sich im Einzelfall Fehler, Irrtümer oder Ungerechtigkeiten nicht vermeiden lassen. Zudem muss dem niedergelassenen Arzt bei der Terminvergabe möglich sein, seine persönliche Arbeitsbelastung und die Organisation seines Praxisbetriebs zu berücksichtigen.
Dennoch konnte die Bundesgesundheitsministerin es wohl nicht unterlassen, wieder die gesamte Ärzteschaft mit dem Vorwurf einer Bevorzugung Privatversicherter oder einer Zweiklassenmedizin zu diffamieren und in bereits bekannter Manier auch gleich mit Sanktionen zu bedrohen. Nicht nur aus ärztlicher Sichtweise ist dringend zu hoffen, dass uns diese Staatsmedizin, in der Nöte, Wünsche und Selbstbestimmung des Einzelnen nicht mehr berücksichtigt werden, erspart bleibt.