27.03.2009 | Pressemitteilung des ÄKV Ebersberg

Am 1.Dezember wird die gesetzliche Krankenversicherung 125 Jahren bestehen – und die Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten ist zu einem Schwarzer-Peter-Spiel verkommen.
Die aktuellen Ärzteproteste entzündeten sich zwar an der verpfuschten Honorarreform, die Probleme liegen jedoch viel tiefer meint Dr. Klein, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Ebersberg. Er sieht die „indirekte Rationierung“ als eigentliche Ursache für die Schwierigkeiten der gesetzlichen Krankenversicherung im 21.Jahrhundert.
Auf der Ebene der unmittelbar Betroffenen, Patienten als Leistungsempfänger und Ärzte als Leistungserbringer, wird unverändert die Fiktion der unbegrenzten (Sach)Leistungen (so viel, so oft und so umfangreich wie erforderlich) aufrecht erhalten. Auf der Ebene darüber (Finanzierung/Krankenkassen) werden die Mittel für die Versorgung jedoch strikt begrenzt. Dieses Dilemma konnte im Bereich der ambulanten Medizin lange verborgen werden, da in Deutschland eine Zwischenebene –die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen)- die unmittelbaren Auswirkungen der Rationierung für die Betroffenen verschleierte. Gesetzliche Vorgaben und höchst unglücklich agierende KVen haben das System nun ins Chaos geführt. Vor allem die KVen sind zum perfekten Sündenbock für eine verfehlte Gesundheitspolitik geworden.
Alle europäischen Gesellschaften kämpfen mit dem Problem begrenzter Ressourcen auf Grund der demografischen Entwicklung. Besonders in Skandinavien wurde deshalb schon früh die gesellschaftliche Diskussion über eine gerechte Zuweisung der begrenzten Mittel, die Priorisierung, angestoßen. Die deutsche Gesundheitspolitik der letzten Jahre hatte diesen Weitblick leider nicht und produzierte nur immer neue Regulierungen, die ein Bürokratiemonster schufen, den Mangel weiter verschärfen und nun als Nebenwirkung die menschliche und wohnortnahe medizinische Versorgung vernichten.
Ohne umgehende Korrektur dieser Fehlentwicklung mag Klein nicht ausschließen, dass die Rationierung direkt an den Patienten weitergegeben werden muss. Er sieht sich mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Prof. Hoppe, einig, dass Patienten dann wohl nur noch gegen Rechnung behandelt werden können und dieser Schritt „langsam angemessen“ (Hoppe) sei. Ein derartiges System wäre keinesfalls nur nachteilig für die Betroffenen. Eine Rechnung an den Patienten, die dieser dann seiner Kasse zur Erstattung einreicht, ermögliche vielmehr eine schlankere, transparentere und letztendlich gerechtere Versorgung als jedes neue bürokratische Regulierungsmonster.