Ärzte für wohnortnahe patientenorientierte Medizin

Planungen des Landkreises, an der Ecke von-Scala-Straße/Bgm.-Meyer-Straße ein "Ärztehaus "  errichten zu lassen, wurden am 19.10. von Ebersberger Hausärzten, Fachärzten und Chefärzten der Kreisklinik diskutiert.

Die ärztliche Versorgung im Landkreis Ebersberg ist bislang von enger Zusammenarbeit und offener Kommunikation zwischen niedergelassenen Hausärzten, Fachärzten und den Abteilungen der Kreisklinik geprägt und stellt immer den Patienten in den Mittelpunkt. Nicht von öffentlicher Hand geförderte Ärztehäuser ergänzen in den Bevölkerungszentren bereits die wohnortnahe ambulante Versorgung in einem Landkreis mit geografisch bedingten Strukturschwächen. 

Dass eine derartige patientenorientierte Versorgung trotz häufig kontraproduktiver Gesundheitsgesetzgebung und in den engen Vorgaben der gesetzlichen Krankenversicherung erreicht wurde, ist ausschließlich ärztlicher Initiative zu verdanken. Patientenanregungen wurden aufgegriffen, Politik und kommunale Verwaltungen reichten häufig eine helfende Hand bei der Umsetzung.

Um so befremdlicher ist es, wenn kommunale Gremien ohne ärztlichen Rat oder Absprache Entscheidungen vorbereiten, die Strukturen dieser guten Patientenversorgung ganz entscheidend verändern werden. Qualifizierungen wie "medizinisches Zentrum", "Zukunftsfähigkeit der Kreisklinik" und "Premiumstandort" sind Worthülsen ohne Wert für die Patientinnen und Patienten des Landkreises. Parkhäuser, Einkaufszentren, umgestaltete Stadtviertel und kommunal initiierte Ärztehäuser mögen vielleicht den Bürgerinnen und Bürgern eines Landkreises nützlich erscheinen. Sobald aus Bürgern aber Patienten werden, sind ganz andere Werte wichtig, die durch falsche Planungen sehr schnell vernichtet werden können.

Vollends unverständlich ist, wenn in einem Koppelgeschäft für den Bau eines Parkhauses die patientenorientierte Versorgung aufs Spiel gesetzt werden soll. Die medizinische Versorgung der erkrankten Bürger des Landkreises ist kein " freier Markt ", dem " Konkurrenz " und „Premiumangebote“ nur nützen können. Vielmehr sind Einfühlungsvermögen, Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein unbedingte Voraussetzung für einen Umgang mit erkrankten Mitbürgern. Profitorientierte Anbieter zerstören eine patientenzentrierte Versorgung.

Nicht medizinisch begründete, nur am finanziellen Vorteil ausgerichtete Entscheidungen gefährden sehr schnell die medizinische Versorgung der Landkreisbürger und auch die Zukunftsfähigkeit der Kreisklinik. Die Zukunft der Kreisklinik kann nur im offenen Austausch mit den niedergelassenen Ärzten des Landkreises gestaltet werden. Die Ärzteschaft des Landkreises Ebersberg steht gerne für Information und Beratung zur Verfügung und wird den Informationsaustausch mit den befassten kommunalen Gremien suchen.

Dr. W. Klein, vorsitzender Vorstand des ÄKV Ebersberg