BÄK/KBV: PROJEKT ZUR ATTRAKTIVITÄT DES ARZTBERUFS AUF EIS GELEGT
HONORARREFORM: KBV WILL KONSTRUKTIONSFEHLER BEHEBEN
GESUNDHEITSFONDS: FINANZIERUNG TROTZ MILLIARDENDEFIZIT AUSREICHEND?

BESKE: LEISTUNGSKATALOG DER GKV AUF GRUNDVERSORGUNG BESCHRÄNKEN

URTEIL: BUNDESSOZIALGERICHT STÄRKT SELBSTVERWALTUNG

DKG: KEIN VERKAPPTER RABATTWETTBEWERB AUF KOSTEN DER PATIENTEN

ÄRZTEKLIMA-INDEX: JEDER DRITTE ARZT HAT ANGST UM SEINE PRAXIS
UMFRAGE I: BÜRGER LEHNEN BASIS-SCHUTZ UND VORKASSE AB
UMFRAGE II: KLINIKEN SETZEN AUF AMBULANTE VERSORGUNG


 


BÄK/KBV: PROJEKT ZUR ATTRAKTIVITÄT DES ARZTBERUFS AUF EIS GELEGT

Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung wollen den im Jahr 2008 begonnenen „Dialog zur Steigerung der Attraktivität des ärztlichen Berufs“ mit dem Bundesgesundheitsministerium aufgrund der „unterschiedlichen Auffassungen“ bis auf weiteres nicht fortführen.
Die Unzufriedenheit der Ärzteschaft mit den gegenwärtigen Rahmenbedingungen ihrer Berufsausübung werde auf „hausgemachte“ Ursachen zurückgeführt. Dabei seien es die gesetzlichen und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, auf die man keinen Einfluss habe, welche aber das, was als „Attraktivität des ärztlichen Berufes“ bezeichnet werde, erheblich tangieren, heißt es in dem gemeinsamen Schreiben von BÄK und KBV an das BMG. Auf dem Deutschen Ärztetag in Mainz und bei der zeitgleich stattfindenden Sitzung der Vertreterversammlung der KBV werde man sich mit den Problemen befassen, die derzeit das Gesundheitswesen betreffen. „Wir halten es für erforderlich, eine Denkpause einzulegen, um die grundlegenden Positionen nach dem Deutschen Ärztetag und nach der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung einzubringen“, so BÄK-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe und KBV-Vorstand Dr. Andreas Köhler. BÄK und KBV hatten bereits Anfang 2009 in einem Schreiben an das BMG die „unüberwindbaren Gegensätze“ angemahnt. „Wir befürchten, dass gerade im gegenwärtigen politischen Umfeld und der zeitlichen Bezüge zur Bundestagswahl die Erwartung an eine einvernehmliche Dialogkultur uns die Artikulation und Positionierung eindeutiger gesundheitspolitischer und berufspolitischer Standpunkte (…) nicht gestattet. Wir ziehen diese Erfahrung beispielsweise daraus, dass (…) Positionen, welche die Ärzteschaft in ihrem sog. Ulmer Papier niedergelegt hat und welche die Kassenärztliche Bundesvereinigung in ständiger Auffassung vertritt, nicht verhandelbar sind, vielleicht auch nicht verhandelt werden sollten“, heißt es in dem Schreiben. Der Dialog könne deshalb „nicht fruchtbar fortgeführt werden“. Das
Ministerium hält an einer Fortsetzung des Dialogs fest. Man habe in den Arbeitsgruppen bereits auf verschiedenen Feldern gute Ergebnisse erzielt.„Ich würde es sehr bedauern, wenn wir die insoweit gefundenen Ansätze nun wieder aufgeben würden. Dafür ist mir das Anliegen, den ärztlichen Beruf attraktiv zu halten und eine gute ärztliche Versorgung zu gewährleisten, zu wichtig“, schrieb BMG-Staatssekretär Klaus Theo Schröder an Hoppe und Köhler. Bei den Themen, bei denen bisher keine Annäherung möglich war, sollte man weiter im Gespräch bleiben. Schröder zeigte sich überzeugt, dass auch bei diesen Themen gemeinsam Fortschritte erreicht werden könnten.

HONORARREFORM: KBV WILL KONSTRUKTIONSFEHLER BEHEBEN

KBV-Chef Dr. Andreas Köhler hat von den Krankenkassen einen gemeinsamen Fahrplan zur Angleichung des Orientierungspunktwerts an den alkulatorischen Punktwert des EBM gefordert. „Die Schere zwischen EBM-Kalkulation und Vergütung muss geschlossen werden“, sagte Köhler bei einer Pressekonferenz zur vertragsärztlichen Vergütungsreform vergangene Woche in Berlin. Der derzeitige Orientierungspunktwert von 3,5 Cent liege unter dem kalkulatorischen Punktwert von 5,11 Cent. Das führe zu einer Unterdeckung der Praxiskosten von 31,5 Prozent und faktisch zu einer Reduzierung des Arztlohns. Köhler sprach von einem „Konstruktionsfehler“, der dringend behoben werden müsse. Darauf habe man den Gesetzgeber von Anfang an hingewiesen – leider ohne Erfolg. Den Effekt der unterschiedlichen Punktwerte bezifferte Köhler auf rund zehn Milliarden Euro. Eine sofortige Angleichung beider Punktwerte hält er allerdings nicht für realistisch, auch nicht in der Höhe. Die KBV will auf der nächsten Sitzung des Erweiterten Bewertungsausschusses am 20. Mai aber eine grundsätzliche Einigung erzielen. Vorher werde man einer Ausweitung des EBM-Katalogs um neue Leistungen nicht zustimmen. Die Entscheidung über alneophototherapie, Neugeborenen-Hörscreening, intravitreale Injektionen und die Versorgung von HIV/AIDS-Patienten liege so lange auf Eis. Bis Ende August müsse dann über den Orientierungswert für 2010 entschieden werden. „Das ist der nächste entscheidende Schritt in dieser Vergütungsreform“, betonte Köhler. Bei der Weiterentwicklung des Orientierungspunktwerts würden auch die Investitions- und Betriebskosten von Arztpraxen sowie regionale Besonderheiten der Kostenstrukturen berücksichtigt. „Wir müssen den Orientierungswert spreizen.“ In unter- und überversorgten Regionen werde es Zu- und Abschläge geben. In überversorgten Gebieten würden auch Bestandspraxen bei neuen Fällen nur eine abgesenkte Punktzahl bekommen. „Das steht so im Gesetz, wir tun uns schwer damit“. Es sei unklar, wie sich das auf die Versorgung auswirke. Bei der Honorarreform 2009 verfolgt die KBV eine „zweizeitige Anpassung der Honorarverteilungsmethodik“. Zum 1. Juli sollen mit einem „Reparaturbeschluss“ wesentliche Probleme behoben werden. Eine umfassende Lösung mit Neufassung des RLV-Beschlusses soll es zum 1. Januar 2010 geben. Erste bundesweite Trends zur Honorarentwicklung im ersten Quartal sollen in vier bis sechs Wochen vorliegen. Bereits zum 1. Juli 2009 sollen die Kodierrichtlinien für ambulante Leistungen vorliegen. KBV und die Krankenkassen wollen damit gegen Manipulationsversuche bei der ärztlichen Dokumentation vorgehen. Verschiedenen Kassen würden Anreize schaffen, damit Ärzte bestimmte Kodierungen bevorzugen, sagte Köhler. Es gebe mittlerweile etwa 100 dokumentierte Fälle, bei denen die Kassen versucht hätten, Einfluss zu nehmen, etwa durch die Zahlung von zehn Euro pro überprüfter Kodierung. Die Ko-
dierrichtlinien sollen auch Richtlinien enthalten, mit denen die Plausibilität einer Kodierung überprüft wird.
http://www.kbv.de

GESUNDHEITSFONDS: FINANZIERUNG TROTZ MILLIARDENDEFIZIT AUSREICHEND?

Die Wirtschaftskrise reißt wie erwartet ein milliardenschweres Finanzloch in den Gesundheits-
fonds. Nach Berechnungen des Schätzerkreises für die GKV fehlen dem Fonds in diesem Jahr
rund 2,9 Milliarden Euro. Das teilte das Expertengremium am 30. April 2009 mit. Die Finanzlü-
cke muss nun durch Steuermittel geschlossen werden. Der Bund hatte sich verpflichtet, bei Bei-
tragsausfällen im Fonds mit einem Darlehen einzuspringen, das 2011 zurückgezahlt werden
muss. Bei ihrer Schätzung im Dezember 2008 hatte der Schätzerkreis für 2009 noch ein Ein-
nahmedefizit von 440 Millionen Euro im Fonds prognostiziert. intergrund für den erheblichen
Anstieg der Beitragsausfälle sind vor allem Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Auf der Ausgaben-
seite veränderte sich die Schätzung des Gremiums dagegen kaum. Das BVA und das Ministeri-
um gehen für 2009 von Ausgaben in Höhe von 166,8 Milliarden Euro aus, die Kassenvertreter
von einer Milliarde mehr. Damit näherten sich beide Seiten mit ihrer Prognose leicht an. Bun-
desgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hält die finanzielle Ausstattung des Gesundheits-
fonds dennoch für ausreichend. „Von einer Kostenexplosion kann keine Rede sein“, sagte
Schmidt laut Medienberichten. Das Bundesgesundheitsministerium hatte in der Vergangenheit
immer wieder beteuert, die finanziellen Einnahmen des Gesundheitsfonds seien sicher. „Es gibt
kein Defizit“, mit diesen Worten hatte BMG-Sprecher Klaus Vater noch Ende März diesen Jah-
res Medienberichte über ein drohendes Milliarden-Defizit des Gesundheitsfonds zurückgewie-
sen.

BESKE: LEISTUNGSKATALOG DER GKV AUF GRUNDVERSORGUNG BESCHRÄNKEN

Eine umfassende Versorgungssicherheit für alle Patienten kann in Zukunft nur garantiert wer-
den, wenn der Leistungskatalog der GKV auf eine Grundversorgung beschränkt wird. Das ist die
zentrale Forderung der „Gesundheitspolitischen Agenda 2009“, die Prof. Fritz Beske vom Kieler
Institut für Gesundheits-System-Forschung am 12. Mai in Berlin vorstellte. Der Bericht enthält
zentrale Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und wurde von einer
bundesweiten Arbeitsgruppe, darunter auch Dr. Franz-Joseph Bartmann, erstellt. Aufgrund der
begrenzten finanziellen Mittel herrsche bereits heute eine verdeckte Rationierung im Gesund-
heitswesen, erklärte Beske zum derzeitigen Stand der Gesundheitsversorgung. Deshalb sei die
Ausdünnung von Leistungen die einzige Möglichkeit, eine solidarisch finanzierte Krankenversor-
gung zu erhalten. Würden die derzeitigen Bedingungen im Gesundheitswesen nicht verändert,
drohe bis zum Jahre 2050 ein Beitragssatz der GKV zwischen 27 und 44 Prozent. Es sei unver-
antwortlich der Bevölkerung ein anderes Bild zu vermitteln, sagte Beske. Ein großer Teil der
Änderungsvorschläge betrifft die GKV. Sogenannte Wunschleistungen, die über die Grundver-
sorgung hinaus gehen, sollen Versicherte in Zukunft aus eigener Tasche finanzieren. Festbeträ-
ge und Festzuschüsse würden garantieren, dass diese privaten Kosten auch bezahlbar blieben.
Die Finanzierung der GKV würde anteilig solidarisch, aus Steuermitteln und durch Zuzahlungen
der Patienten sichergestellt, wobei die Beitragssätze in diesem Modell 15,5 Prozentpunkte nicht
übersteigen würden. Der Gesundheitsfonds und die Morbiditätsorientierung im Risikostruktur-
ausgleich hingegen würden abgeschafft. Um den geforderten Grundversorgungskatalog zu defi-
nieren, seien bestimmte Leitgedanken zu beachten. So dürfe Krankheit niemals zu einem Exis-
tenzrisiko werden. Alle Versicherten müssten Zugang zu medizinischem Fortschritt haben und
Leistungen dürften nicht aufgrund des Alters verweigert werden. Schließlich würden politische
Gremien über einen vom G-BA vorgeschlagenen Grundleistungskatalog entscheiden. Ein weite-
rer zentraler Punkt der Empfehlungen sind die Kassenärztlichen Vereinigungen, die ihre volle
Funktionsfähigkeit zurückerlangen sollen. Dazu müssten zum Beispiel Wahltarife und Selektiv-
verträge abgeschafft werden. Das Honorarsystem müsse vereinfacht und die Inhalte des SGB V
sowie der KV-internen Regelwerke komplett überarbeitet werden. Um die Freiberuflichkeit des
Arztes zu schützen und damit auch zukünftig eine flächendeckende und qualitativ hochwertige
Versorgung zu gewährleisten, sprach sich Beske zudem für eine Stärkung der ärztlichen Selbst-
verwaltung durch den Gesetzgeber aus.
http://www.igsf.de

URTEIL: BUNDESSOZIALGERICHT STÄRKT SELBSTVERWALTUNG

Das Bundesgesundheitsministerium hat keine Fachaufsicht über den Gemeinsamen Bundes-
ausschuss (GBA). Bei der Überprüfung der Richtlinienbeschlüsse des GBA ist das BMG auf
eine Rechtsaufsicht beschränkt, weitergehende Befugnisse im Sinne einer Fachaufsicht beste-
hen nicht. Das hat das Bundessozialgericht in Kassel am 6. Mai 2009 entschieden (Az.: B 6 A
1/08 R) und mit dem Grundsatzurteil die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen gestärkt. Im
Streit um die Protonentherapie hatte das BMG vor den Sozialrichtern mehr Einfluss auf den
Ausschuss eingefordert. Der GBA hatte die Protonentherapie bei einigen Krebsarten zugelas-
sen, bei Brustkrebs aber aus dem Katalog der Krankenkassen genommen. In dem Revisionsver-
fahren ging es um die Frage, ob das Gesundheitsministerium die Richtlinie des GBA zum Aus-
schluss der Protonentherapie bei Brustkrebs zu Recht beanstandet hatte. Das BSG hat in dem
Revisionsverfahren die Beanstandung als rechtswidrig beurteilt und deshalb aufgehoben.
Auch zu der ebenfalls bedeutsamen Frage, ob das Bundesministerium für Gesundheit bei Über-
prüfung der Richtlinienbeschlüsse des GBA auf eine Rechtsaufsicht beschränkt ist oder weiter-
gehende Befugnisse hat (Fachaufsicht), entschied das BSG zu Lasten des Ministeriums. Dem
Ministerium stehe nur eine Rechtskontrolle dieser Beschlüsse zu. Dies lasse sich zwar dem
Wortlaut des § 94 SGB V nicht eindeutig entnehmen, ergebe sich aber deutlich aus dem traditi-
onellen System des Aufsichtsrechts in der Sozialversicherung und vor allem aus der Rolle und
Funktion des GBA bei der Bestimmung des Leistungsumfangs der gesetzlichen Krankenversi-
cherung in rechtsverbindlichen Richtlinien. Könnte das Ministerium selbst alle Einzelheiten fest-
legen „und damit die Gestaltungsfreiheit des GBA aushöhlen“, würde das die Frage nach dem
Sinn der Selbstverwaltung aufwerfen, sagte Bundesrichter Ulrich Wenner in seiner Urteilsbe-
gründung. „Das Urteil stärkt den G-BA in seiner fachlichen Verantwortung“, sagte GBA-
Vorsitzende Rainer Hess im Hinblick auf die Entscheidung zur Rechtsaufsicht, „und enthält eine
positive Signalwirkung für die gemeinsame Selbstverwaltung“.
http://www.bundessozialgericht.de
http://www.g-ba.de

DKG: KEIN VERKAPPTER RABATTWETTBEWERB AUF KOSTEN DER PATIENTEN

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) setzt sich für feste Fallpauschalen-Preise ein.
Eine qualitätsorientierte Vergütung in Form des „pay for performance“ sei kein geeignetes Kon-
zept für die regelhafteVergütung von Krankenhausleistungen, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer
Georg Baum auf dem Symposium „Qualitätsorientierte Vergütung im Gesundheitswesen" ver-
gangene Woche in Berlin. „Durch niedrigere Vergütungen werden qualitativ problematische Leis-
tungen nicht besser. Ein solches Vergütungssystem wäre medizinisch-ethisch fragwürdig“, so
Baum. Qualität, die unter einem von dem Patienten berechtigt erwarteten Standard liege, könne
dauerhaft nicht vergütet werden. Als hochkomplexe medizinische und pflegerische Dienstleis-
tungen müssten Krankenhausleistungen grundsätzlich über allgemein gültige Gebührenordnun-
gen vergütet werden. Der Wettbewerb fände über die Qualität und nicht über Preise und Rabatte
statt. „Transparente Qualitätssicherung eignet sich für die stetige Entwicklung bester Versor-
gungsqualität der Patienten und nicht für einen verkappten Rabattwettbewerb um die billigste
Leistung“, kritisierte Baum. Zuvor hatte sich das Bundesgesundheitsministerium für eine stärke-
re qualitätsbezogene Vergütung in Kliniken und Praxen ausgesprochen. „Wir müssen uns in
Deutschland die Frage stellen, ob neben der Weiterentwicklung der Qualitätssicherung nicht
zusätzliche finanzielle Anreize für eine bessere Leistungsqualität sinnvoll und notwendig sind“,
sagte Staatssekretär Klaus-Theo Schröder bei der Eröffnung des Symposiums. Das bedeute
aber nicht, dass die bloße Einhaltung von Qualitätsstandards ein Zusatzentgelt begründen kön-
ne. Für ein Mehr an Vergütung müsse vielmehr auch ein Mehr an Qualität oder ein wesentlicher
Qualitätsfortschritt belegt werden.
http://www.dkgev.de

ÄRZTEKLIMA-INDEX: JEDER DRITTE ARZT HAT ANGST UM SEINE PRAXIS

Rund ein Drittel der Hausärzte in Deutschland hat Angst um die Zukunft ihrer Praxis. Wegen der
Gesundheitsreformen in den vergangenen zwei Jahren halten es viele Ärzte derzeit kaum für
möglich, in die eigene Praxis zu investieren oder Rücklagen zu bilden, heißt es im Ärzteklima-
Index des Marktforschungsinstituts GfK für das zweite Halbjahr 2008. Mehr als die Hälfte der
Mediziner gab an, in diesem Zeitraum nicht mehr in ihre Praxis investiert zu haben. 80 Prozent
sagten, sie hätten kein Personal eingestellt. Zwar schätzten die Mediziner die Qualität der medi-
zinischen Versorgung in Deutschland als gut ein – die Behandlungsmöglichkeiten für Kassen-
Patienten, die Arbeitsbedingungen als Arzt und die Rahmenbedingungen des Gesundheitswe-
sens beurteilten die Hausärzte dagegen als schlecht bis sehr schlecht. Sie gingen sogar davon
aus, dass sich die Lage hier künftig noch weiter verschlechtern werde. Rund 40 Prozent der
befragten Ärzte hat dem Ärzteklima-Index zufolge das Gefühl, ihre Patienten sind mit der Ge-
sundheitspolitik unzufrieden. Verstärkt werde diese Tendenz wohl auch dadurch, dass mehr als
40 Prozent der Patienten der Ansicht seien, ihr Arzt nehme sich grundsätzlich zu wenig Zeit für
sie. Dies korrespondiere denn auch mit der Klage der Ärzte, die Gesundheitsreform habe zu
noch mehr bürokratischem Aufwand geführt und lasse ihnen de facto weniger Zeit für die Be-
handlung ihrer Patienten, so das Marktforschungsinstitut. Ein zentraler Kritikpunkt der Ärzte an
der Gesundheitsreform sei die zusätzliche Arbeitsbelastung, die bei einer ohnehin langen Wo-
chenarbeitszeit negativ erlebt werde. Fast jeder zweite Arzt gebe an, mehr als 55 Stunden pro
Woche zu arbeiten. „Da verwundert es auch nicht, dass der Arztberuf offensichtlich an Reputati-
on verliert. Auf die Frage, ob sie einem jungen Menschen aktuell empfehlen würden, den Arztbe-
ruf zu ergreifen, verneint dies mehr als ein Drittel der Ärzte“, so das Marktforschungsinstitut. Die
Unzufriedenheit der Ärzte hatte zuletzt auch der Medizinklima-Index ausgewiesen, der im Früh-
jahr 2009 auf ein Rekordtief gefallen war. Für den Ärzteklima-Index hat das GfK-Institut online
467 Allgemeinmediziner und Internisten in Deutschland befragt.
http://www.gfk.com

UMFRAGE I: BÜRGER LEHNEN BASIS-SCHUTZ UND VORKASSE AB

Die Mehrheit der Deutschen möchte keine weitreichenden Veränderungen am derzeitigen Ge-
sundheitssystem. Die Reduzierung des Leistungsumfangs der GKV auf einen Basis-Schutz leh-
nen die meisten Bürger (68 Prozent) ab. Eine Vorkasse-Regelung bei Medikamenten und medi-
zinischen Leistungen findet ebenfalls wenig Zustimmung (20 Prozent). Das geht aus einer re-
präsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Barmer Ersatz-
kasse hervor. Die Einschränkung von GKV-Leistungen für Versicherte ab einem bestimmten
Alter lehnen 90 Prozent der Befragten ab. Etwas mehr als die Hälfte der Bürger (53 Prozent)
würde immerhin höhere Steuer- oder Krankenversicherungsbeiträge in Kauf nehmen, damit
Geld in den medizinischen Fortschritt investiert werden kann. Überdurchschnittlich häufig geben
dies die unter 30-Jährigen (64 Prozent), die formal höher Gebildeten (62 Prozent) sowie die Be-
zieher höherer Einkommen (63 Prozent) an. Nur 20 Prozent der Befragten halten es für gerecht,
wenn die Krankenkassen in wohlhabenderen Regionen den Ärzten und Krankenhäusern mehr
Geld zur Verfügung stellen, weil die sie dort auch höhere Einnahmen haben. Auf Zustimmung
stößt das Konzept der Medizinischen Versorgungszentren. Die Mehrheit der Befragten (75 Pro-
zent) ist der Meinung, dass die Patienten von einem solchen fachübergreifenden Zusammen-
schluss von Ärzten profitieren.

UMFRAGE II: KLINIKEN SETZEN AUF AMBULANTE VERSORGUNG

Krankenhäuser wollen in Zukunft stärker auf ambulante Versorgungsangebote setzen. Zu die-
sem Ergebnis kam der aktuelle „Krankenhaus Trend 2009“, eine Umfrage unter Führungskräften
in Krankenhäusern der Steria Mummert Consulting. Um das ambulante Leistungsspektrum aus-
zubauen, wollen Klinikbetreiber vor allem in Medizinische Versorgungszentren (MVZ) investie-
ren. Daneben streben die Kliniken aber auch umfassendere Kooperationen mit ambulant tätigen
Ärzten an. Knapp 90 Prozent der Befragten gaben an, mit den niedergelassenen Ärzten koope-
rieren zu wollen. An zweiter Stelle stehen Zusammenschlüsse mit anderen Kliniken, um bei-
spielsweise die Zusammenarbeit in der Reha- oder Akutversorgung zu fördern. Dies würde vor
allem mittelgroße Häuser mit 500 bis 1.000 Beschäftigten betreffen. Private Betreiber hingegen
interessierten sich vorrangig für eine Zusammenarbeit mit gesetzlichen und privaten Kranken-
kassen, um sich durch ganzheitliche Versorgungsangebote mehr Zuweisungen zu sichern, heißt
es in den Umfrageergebnissen. Darüber hinaus ist die Verbesserung im Personalmanagement
ein wichtiges Thema für die Krankenhäuser. 74 Prozent der Befragten messen diesem Bereich
eine steigende Bedeutung bei. Grund sei zum einen der durch die Einführung von Fallpauscha-
len ausgelöste Kostendruck. Er führe zu neuen Personal- und Arbeitsstrukturen. Zum anderen
sorge der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern dafür, dass die Krankenhäuser auch im Perso-
nalbereich die Strukturen moderner Unternehmensführung übernehmen müssten, so die Auto-
ren der Umfrage. Die Berufsbilder müssten den neuen Herausforderungen angepasst werden.
So würden viele Kliniken bereits an einer neuen Arbeitsaufteilung zwischen Ärzten und Pflege-
personal mit dem Ziel, die Ärzte zu entlasten. Darüber hinaus werde mit Veränderungen im me-
dizinischen Leistungskatalog und in der Pflege gerechnet. Hohe Investitionen würden auch im
IT-Bereich erwartet. Die Teilprivatisierung als Umstrukturierungsmaßnahme für Krankenhäuser
verlor hingegen an Bedeutung.