Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

sicherlich haben Sie die Zeitungsmeldungen zum "Ärztehaus an der Kreisklinik" verfolgt oder die ausführliche Darstellung in der Dezemberausgabe des Ebersberger Stadtmagazins (Seite 2) gelesen.

Sie sind damit Zeuge eines ganz ungewöhnlichen Vorgangs. Ein Ärztehaus soll nicht auf medizinischen Bedarf hin entstehen, sondern als Projekt eines Immobilienentwicklers, der einen "weißen Fleck auf der Landkarte " ausgemacht hat und Chancen für ein Geschäft sieht. Bekanntlich ist der LK Ebersberg ein „gesperrter Planungsbereich“, neue Niederlassungen sind nicht möglich. Der Entwickler kann sein Ärztehaus daher nur füllen, indem er bereits niedergelassene Ärzte bewegt, ihren Praxissitz nach Ebersberg und in das Ärztehaus an der Kreisklinik zu verlegen.

Der Landkreis Ebersberg hält gegen alle ärztlichen Argumente an diesem Projekt fest und subventioniert indirekt durch ein "maßgeschneidertes" Grundstück in Erbpacht. Nur so kann der Entwickler seine Geschäftsidee verwirklichen und spart zudem Planungskosten und Grundstückskosten. Im Gegenzug erhält der Landkreis das Recht, das Leistungsangebot des Ärztehauses mitzubestimmen.

Auf diese Weise wird der Landkreis die ambulante und stationäre medizinische Versorgung ganz entscheidend verändern.

Es ist aber keinesfalls Aufgabe eines Landkreises, die vertragsärztliche Versorgung zu gestalten und es darf nicht Absicht des Landkreises sein, fachärztliche Medizin (und in einem weiteren Schritt dann Allgemeinmedizin) in der Kreisstadt zu konzentrieren und damit die wohnortnahe medizinische Versorgung im restlichen Landkreis zu verschlechtern – und dies auch noch durch Einsatz von Landkreisvermögen.

Im Sinne der Daseinsvorsorge für Ihre Bürgerinnen und Bürger können Sie dies nicht gutheißen. Ich kann Sie nur auffordern, für den Erhalt einer wohnortnahen Medizin und somit im Sinne Ihrer Mitbürger aktiv zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. W. Klein, vorsitzender Vorstand ÄKV Ebersberg