Rudolf Henke entthront Ulla Schmidt | Viele bekannte Gesichter | Hoppe fordert neue Vertrauenskultur | Ärzte nicht vorverurteilen | Bischof Huber beklagt „Diktat der Ökonomie“ | AkdÄ empfiehlt Überwachung der Nebenwirkungen | Anteil der Kliniken in privater Trägerschaft gestiegen | Zwei-Klassen-Medizin für Ärzte bereits Realität | Patienten fühlen sich beim Arzt gut aufgehoben

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> NEUE INFLUENZA A (H1N1): AkdÄ empfiehlt Überwachung der Nebenwirkungen
> KRANKENHÄUSER: Anteil der Kliniken in privater Trägerschaft gestiegen
> UMFRAGE: Zwei-Klassen-Medizin für Ärzte bereits Realität
> STUDIE: Patienten fühlen sich beim Arzt gut aufgehoben 


BUNDESTAGSWAHL I: RUDOLF HENKE ENTTHRONT ULLA SCHMIDT
Rudolf Henke, CDU-Politiker, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes und Vorstandsmitglied der
Bundesärztekammer, erzielte bei der Bundestagswahl ein Direktmandat in seinem Aachener
Wahlkreis. Damit konnte sich der Internist gegen die bisherige Bundesgesundheitsministerin
Ulla Schmidt (SPD) durchsetzen. Henke fuhr bei der Wahl am Sonntag nach dem vorläufigen
Endergebnis 39,4 Prozent der Stimmen ein, Schmidt kam nur auf 29,9 Prozent, wie der
Bundeswahlleiter mitteilte. Die SPD-Politikerin zieht jedoch über die Landesliste erneut in den
Bundestag ein. Mit seinem engagierten Straßenwahlkampf und seinem Slogan „Mehr Aachen in
Berlin“ gelang es Henke, sich gegen die prominente Bundespolitikerin durchzusetzen. Noch vor
vier Jahren hatte Schmidt ihren Wahlkreis mit 40,5 Prozent gegen ihren damaligen CDU-
Konkurrenten Marcel Philipp (39,1 Prozent) gewonnen. Henke will sich in Berlin unter anderem
für die Aachener Verkehrsanbindung, den Bundeswehrstandort und die Gesundheitsregion
Aachen stark machen, wie er der Aachener Zeitung sagte.



BUNDESTAGSWAHL II: VIELE BEKANNTE GESICHTER
Zahlreiche Gesundheitspolitiker werden auch in der neuen Legislaturperiode im Bundestag
vertreten sein. Weder über ein Direktmandat noch über die Landesliste einziehen konnten die
Abgeordneten Dr. med. Hans-Georg Faust (CDU), Hubert Hüppe (CDU), Dr. med. Wolfgang
Wodarg (SPD) und Frank Spieth (Linke).

Weiterhin vertreten, beziehungsweise neu im Parlament sind:
für die CDU: Rudolf Henke, Annette Widmann-Mauz, Michael Hennrich, Dr. med. dent. Rolf
Koschorrek, Jens Spahn, Willi Zylajew
für die CSU: Wolfgang Zöller, Max Straubinger
für die SPD: Ulla Schmidt, Sabine Bätzing, Prof. Dr. med. Karl Lauterbach , Carola
Reimann, Elke Ferner, Dr. med. Marlies Volkmar, Mechthild Rawert, Hilde Mattheis, Peter
Friedrich
für die FDP: Daniel Bahr, Heinrich Kolb, Heinz Lanfermann
für die Linke: Martina Bunge, Ilja Seifert
für Bündnis90/Die Grünen: Biggi Bender, Elisabeth Scharfenberg, Dr. med. Harald Terpe



GESUNDHEITSPOLITIK: HOPPE FORDERT NEUE VERTRAUENSKULTUR
Die Bundesärztekammer hat der Union und der FDP zu ihrem Wahlerfolg gratuliert. „Die
Ärztinnen und Ärzte in Deutschland hoffen, dass mit der künftigen Regierung endlich eine neue
Vertrauenskultur im Gesundheitswesen begründet wird. Der Patient und seine ärztliche
Behandlung müssen wieder in den Mittelpunkt der Gesundheitspolitik gerückt und die ärztliche
Freiberuflichkeit muss gestärkt werden, um Therapiefreiheit und Versorgungsqualität dauerhaft
zu sichern. Wir Ärzte sind bereit, unseren Sachverstand hierfür einzubringen. Denn nur ge-
meinsam können wir es schaffen, die großen Herausforderungen von demografischer Entwick-
lung und medizinischem Fortschritt zu stemmen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer,
Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, zum Ausgang der Bundestagswahl 2009.
In einem Brief an die Vorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien hatte Hoppe bereits
vor der Bundestagswahl zu einer neuen Vertrauenskultur in der Gesundheitspolitik aufgerufen.
Dazu sei eine ehrliche Diskussion über die Zukunft der medizinischen Versorgung unabdingbar.
„Um auch noch in Zukunft Verteilungsgerechtigkeit in der medizinischen Versorgung sichern zu
können, sind Politik und Gesellschaft aufgefordert, offen über Priorisierung in unserem Ge-
sundheitswesen zu debattieren, um heimliche Rationierung von Leistungen zu vermeiden“,
schrieb Hoppe. Priorisierung sei als ethische Methode zu verstehen, die begrenzten Mittel,
Kapazitäten und Zeitressourcen möglichst gerecht einzusetzen. Ein Gesundheitsrat aus Ärzten,
Ethikern, Juristen, Gesundheitsökonomen, Theologen, Sozialwissenschaftlern und Patienten-
vertretern sollte Empfehlungen entwickeln. „Die Letztentscheidung aber muss politisch
verantwortet werden, denn nur dann gibt es die entsprechende Legitimation in unserer
Demokratie.“
Die Gesundheitsreformen der letzten Jahre hätten zu Destabilisierung der ärztlichen Selbst-
verwaltung geführt. Eine handlungsfähige ärztliche Selbstverwaltung sei aber der
entscheidende Faktor, um Qualität und Professionalität des Arztberufes und damit auch eine
gute Patientenversorgung dauerhaft zu sichern. „Eine starke Selbstverwaltung ist keine
Konkurrenz zum Staat, sondern entlastet und ergänzt den Staat aufgrund ihrer Bürgernähe und
Fachkompetenz“, betonte der Ärztepräsident.
Das Patienten-Arzt-Verhältnis dürfe nicht weiter zerstört werden, „weder durch das
ökonomische Diktat in der Gesundheitsversorgung noch durch eine kollektive Desavouierung
der Ärzteschaft“, so Hoppe. Er forderte, die Rahmenbedingungen für den Arztberuf wieder
attraktiver zu machen. „Die Ärzte in Deutschland werden mittlerweile überzogen mit unsäglichen
Forderungen nach Kosten- und Qualitätskontrolle, mit Dokumentationszwängen und
überbordender Bürokratie", hieß es in dem Schreiben. Gefordert werden eine „Wertschätzung
ärztlicher Arbeit, mehr Stellen in den Kliniken, Abbau von Überstunden und Bürokratie, eine
bessere Bezahlung und endlich auch mehr Angebote für die Kinderbetreuung in den
Krankenhäusern".http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.5.1160.7737



ZUWEISERPAUSCHALEN: ÄRZTE NICHT VORVERURTEILEN
Knapp einen Monat nachdem erste Vorwürfe laut wurden, niedergelassene Ärzte würden von
Krankenhäusern Einweiserprämien kassieren, laufen die Vorbereitungen für den Aufbau
sogenannter Clearingstellen zur rechtlichen Bewertung von Kooperationsverträgen zwischen
Vertragsärzten und Kliniken auf Hochtouren. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche
Bundesvereinigung (KBV) und Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) haben Empfehlungen
für den Aufbau der Stellen auf Landesebene entwickelt. Die Empfehlungen sollen Ärztekam-
mern, Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenhausgesellschaften als Orientierungshilfe
bei der Errichtung der Clearingstellen dienen.
Die Spitzenorganisationen reagieren damit auf Ende August laut gewordene Vorwürfe,
niedergelassene Ärzte hätten sogenannte Zuweisungsvergütungen von Kliniken dafür erhalten,
dass sie Patienten in die entsprechenden Häuser einweisen würden. Losgetreten hatte die
Debatte Prof. Dr. Manfred Wirth, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Im Vorfeld
des diesjährigen Urologenkongresses hatte Wirth kritisiert, Zuweiserprämien seien längst
Realität. Unter der Überschrift „der verkaufte Patient“ beklagte Wirth in einer Mitteilung an die
Presse, Kliniken zahlten regelmäßig zuweisenden Ärzten eine Vergütung. „Ob die Zuweiser die
Prämie fordern oder annehmen – es bleibt ein juristisch und ethisch überaus fragwürdiges
Procedere.“ Fest steht: Geld allein für Einweisungen zu nehmen, ist nicht nur fragwürdig,
sondern klar gegen das Gesetz. Auch die ärztliche Berufsordnung ist in diesem Punkt eindeutig:
Nach Paragraph 31 der Muster-Berufsordnung sind Ärzten solche Praktiken streng untersagt.
Allerdings: Noch ist völlig unklar wie viele dieser Verträge es überhaupt gibt. Denn konkrete
Zahlen nannte Wirth nicht – auch nicht im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt (Heft
38/2009). Danach gefragt, wie hoch die Prämien in der Regel seien und von wem sie stammten,
antwortete er ausweichend: „Ich möchte keine Einzelheiten nennen. Aber mir ist bekannt, dass
das Zehn- bis 20-fache von dem gezahlt wird, was mancher niedergelassene Arzt pro Patient
bekommt.“ Unkonkret waren auch seine Angaben darüber, wie verbreitet die Praktiken sind:
Einzelfälle seien es nicht. „Solche Verträge gibt es zunehmend.“
Die Unklarheiten heizten den Medienrummel um den vermeintlichen Skandal eher noch an.
Breite öffentliche Beachtung fand das Thema, nachdem die Frankfurter Allgemeine Zeitung
(FAZ) Ende August die Vorwürfe der Urologen aufgriff. Der Präsident der Deutschen Kranken-
hausgesellschaft, Rudolf Kösters, bestätigte darin die Praxis und schob den Schwarzen Peter
den Ärzten zu: Immer öfter setzten Ärzte – teils in Vereinen organisiert –Krankenhausleitungen
unter Druck. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, stellte in
demselben Beitrag unmissverständlich klar, es sei „total verboten“, Geld für Einweisungen zu
nehmen. Konkrete Zahlen über das Ausmaß des Problems konnte aber auch die FAZ nicht
vorlegen.
Unterdessen sorgte eine Falschmeldung in der Zeitung „Die Welt“ für Irritationen. Darin war
BÄK-Vize Dr. Frank Ulrich Montgomery fälschlicherweise mit den Worten zitiert worden „nur 70
bis 80 Prozent der Überweisungen in Kliniken [seien] nicht zu beanstanden“. Die dpa übernahm
diesen Satz und schrieb im erweiterten Umkehrschluss 20 bis 30 Prozent der Verträge seien
nicht korrekt. Tatsächlich hatte der BÄK-Vize darauf hingewiesen, dass von den zehn bis zwölf
in Hamburg zur Begutachtung vorgelegten Verträgen zwei nicht korrekt und nach Beratung
durch die Ärztekammer auch nicht unterschrieben worden seien. In vielen folgenden Interviews
und auch auf einer Pressekonferenz hat Montgomery den Sachverhalt richtig gestellt. So auch
in der ARD-Sendung „Hart aber fair“. Die Redaktion bestätigte Montgomerys Aussage im
sogenannten „Faktencheck“, der als Nachtrag zur Sendung im Internet angeboten wird: Dort
heißt es: „Montgomery hat Recht, dass er diese Meldungen mehrfach richtig gestellt hat. Als
Präsident der Ärztekammer Hamburg habe er sich lediglich auf zehn bis zwölf Verträge über
integrierte Versorgung zwischen Krankenhäusern und Ärzten in Hamburg bezogen, von denen
nur zwei von der Ärztekammer abgelehnt wurden.“
Seither herrscht bei der Debatte über sogenannte „Fangprämien“ etwas mehr Sachlichkeit vor,
was auch daran liegen dürfte, dass sich BÄK, KBV und DKG mit der geplanten Errichtung von
Clearingstellen auf Landesebene Anfang September auf ein gemeinsames Vorgehen einigen
konnten. Damit wolle man der aufgetretenen Verunsicherung der Patienten und der Öffentlich-
keit begegnen, heißt es in dem Beschluss.
Die Organisationen wiesen in ihrer Erklärung aber auch darauf hin, dass es gesetzliche
Bestimmungen seien, „aus denen heraus Ärzte und Krankenhäuser aufgefordert werden, den
Behandlungsprozess gemeinsam zu organisieren und dazu Vergütungsvereinbarungen zu
treffen“. Diese Verhandlungsergebnisse jetzt pauschal zu skandalisieren, falle direkt auf die
Urheber dieser Gesetze zurück.
Ärztepräsident Hoppe machte in diesem Zusammenhang die sich verändernden
Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen für die Probleme mitverantwortlich. Der zuneh-
mende Wettbewerbsdruck befördere Fehlverhalten. „Wer das Gesundheitssystem mehr und
mehr zu einem ganz normalen Wirtschaftszweig umbaut, der darf sich auch nicht wundern,
wenn es zu den gleichen Problemen kommt, wie in anderen Sektoren auch.“ Krankenhäuser
würden wie ganz normale Wirtschaftsunternehmen behandelt. Die Häuser stünden
untereinander in einem harten Verdrängungswettbewerb. Hoppe: „Wohin dies führen kann,
sehen wir nun.“



GESUNDHEITSWESEN: BISCHOF HUBER BEKLAGT DIKTAT DER ÖKONOMIE
„Wenn nur noch der ökonomische Blick das Handeln bestimmt, nimmt das Gesundheitssystem
schweren Schaden“, mahnte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutsch-
land, Bischof Wolfgang Huber, auf dem 1. Deutschen Kassenärztetag in Berlin. Er warnte
eindringlich vor einer Entsolidarisierung in der Gesellschaft und erinnerte an tragende Werte
wie Solidarität, Nächstenliebe und Würdigung der Kranken und Schwachen. Als Schlüssel-
themen im Gesundheitswesen bezeichnete Huber den demographischen Wandel und die Frage
nach Rationalisierungsreserven. „Die Management-Logik, die insbesondere mit der Einführung
von DRGs in den Krankenhäusern Einzug gehalten hat, war gewiss im Stande, manche solcher
Rationalisierungsreserven zu heben; aber sie hat auch ihre Grenzen. Wenn Genesende aus
betriebswirtschaftlichen Gründen zu früh nach Hause entlassen werden, aber die notwendige
Anschlussversorgung aus Kostengründen nicht erhalten, ist offenbar eine Grenze
überschritten“, sagte er.
In seiner Rede stellte Huber zentrale Forderungen an die Gesundheitspolitik . So dürfe der
Zugang zum Gesundheitssystem nicht von Einkommenssituation, Herkunft, Alter oder Ge-
schlecht abhängig sein, sondern müsse allen offen stehen. Medizinische Versorgung sollte
zudem ganzheitlich ausgerichtet sein und die gesamte Lebenssituation eines Menschen im
Blick haben anstelle einzelner Diagnosen. So bräuchte die Betreuung chronisch kranker
Menschen und die palliative Pflege mehr zeitliche und finanzielle Unterstützung. „Hoch proble-
matisch wird das Diktat der Ökonomie auch da, wo nur noch technisch planbare Leistungen in
die Kalkulation eingehen. Denn menschliche Zuwendung wird damit stillschweigend voraus-
gesetzt und muss von Ärzten und Pflegekräften aus eigenem Antrieb erbracht werden; die
Gefahr, dass sie unter wachsendem Zeitdruck zerrieben wird, ist groß“, sagte Huber. Die Zeit
für Zuwendung auf Kinderstationen im Krankenhaus und für Gespräche mit Krebspatienten
müssten in den Kalkulationen von Kliniken ebenso berücksichtigt werden, wie die restliche
Therapie.
Zu „gesunden Verhältnissen“ im Gesundheitswesen zähle auch ein gesundheitsbewusstes
Verhalten und ein besonnener Umgang mit den Angeboten des Gesundheitswesens: „Das
Gesundheitswesen wird nur finanzierbar bleiben, wenn in der ganzen Gesellschaft die Bereit-
schaft steigt, präventiv auch dann etwas für die eigene Gesundheit zu tun, wenn es nicht von
der Kasse finanziert wird“, so Huber. Zugleich sprach sich der EKD-Chef für eine Priorisierung
im Gesundheitswesen aus. „Wenn die Beiträge der Versicherten bzw. die Kosten für den
Steuerzahler gleichwohl nicht erheblich steigen sollen, wird es darauf ankommen, das medizi-
nisch Notwendige vom Möglichen zu unterscheiden und die entsprechenden Prioritäten zu
setzen“, sagte Huber. Eine Studie im Auftrag des Diakonischen Werks der EKD aus dem Jahr
2000 konnte belegen, dass in bestimmten Fällen der gesetzliche Anspruch auf Krankenbehand-
lung nicht erfüllt, der Gleichheitsgrundsatz verletzt wurde und dass die Gefahr einer Unterver-
sorgung bestimmter Patientengruppen bestand, zum Beispiel bei chronisch Kranken. Daraus
ergebe sich die Forderung, so Huber, dass die Verteilung der Ressourcen transparent, verläss-
lich und für die Betroffenen nachvollziehbar stattfindet und dass der Leistungskatalog der
gesetzlichen Krankenversicherungen transparent diskutiert und dargestellt wird.



NEUE INFLUENZA A(H1N1): ARZNEIMITTELKOMMISSION EMPFIEHLT ÜBERWACHUNG DER NEBENWIRKUNGEN
In ihrer Stellungnahme zur geplanten Schutzimpfung gegen das neue Influenza-A-Virus (H1N1)
in Deutschland und den dafür vorgesehenen Impfstoffen empfiehlt die Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) eine engmaschige Überwachung der auftretenden
unerwünschten Wirkungen. So sei gewährleistet, dass „beim Auftreten bislang unerkannter
Sicherheitsprobleme rasch Maßnahmen zur Risikoabwehr eingeleitet werden“ können.
Insbesondere für Kinder und Schwangere sollte ein „aktives Überwachungssystem“ nach der
Impfung eingeführt werden. Die Wirksamkeit der Impfung beurteilen die Arzneimittelexperten
zurückhaltend. So sei „nicht sicher zu beurteilen, ob die jetzige Impfung auch gegen ein
verändertes hoch pathogenes H1N1-Virus schützt".
Nach Ansicht der AkdÄ ist die Situation der Pandemieimpfstoffe mit der Markteinführung eines
neuen Medikamentes oder Impfstoffes gleichzusetzen, da die Zulassungsstudien nur an einer
begrenzten Anzahl an Personen durchgeführt werden. Im Gegensatz zu einem neuen
Arzneimittel werden die Pandemieimpfstoffe aber schon kurz nach Markteinführung an einer
großen Anzahl an Personen angewendet. Das erfordere Maßnahmen zur Pharmakovigilanz .
Aufgrund fehlender Studiendaten für Kinder und Schwangere sollten diese Gruppen nach
Ansicht der AkdÄ einen nicht-adjuvanzierten Impfstoff erhalten. Allerdings hat die Bundesre-
gierung sowohl bei GlaxoSmithKline als auch bei Novartis lediglich Impfstoffe bestellt, die
Wirkungsverstärker (Adjuvantien) enthalten. Die Impfung gegen die neue Grippe soll nach
Vorstellungen von Bund und Ländern im Oktober beginnen. http://www.akdae.de



KRANKENHÄUSER: ANTEIL DER KLINIKEN IN PRIVATER TRÄGERSCHAFT GESTIEGEN
Das deutsche Krankenhauswesen gilt weltweit als sehr leistungsfähig. Das schreibt die
Bundesregierung in ihrer Antwort (16/13974) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
Dabei teilt die Regierung die durchweg negative Situationsbeschreibung der Fragesteller nicht.
Deutsche Krankenhausmanager und das DRG-System seien international sehr gefragt, heißt es
weiter. Im Gegensatz dazu bedauert die Bundesregierung, dass die Krankenhausinvesti-tionen
der Länder trotz eines wachsenden Bedarfs in den letzten Jahren von etwa 3,9 Milliarden Euro
im Jahr 1993 auf knapp 2,7 Milliarden Euro in 2008 gesunken sind. Die Regierung hält
nachhaltige Verbesserungen, insbesondere hinsichtlich des Umfangs der Investitionsfinan-
zierung der Krankenhäuser, für unverzichtbar. Laut Bundesregierung ist der Anteil der Kranken-
häuser in privater Trägerschaft in Deutschland zwischen 1993 und 2007 deutlich gestiegen. Er
erhöhte sich von 16,2 Prozent im Jahr 1993 auf 29,7 Prozent im Jahr 2007. Wie es in der
Antwort heißt, weist die Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes nach dem letzten
verfügbaren Stand für das Jahr 2007 insgesamt 677 Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft
aus sowie 790 Krankenhäuser in freigemeinnütziger und 620 Krankenhäuser in privater Träger-
schaft. Dabei liegen der Regierung „keine Erkenntnisse darüber vor, dass Kranken-häuser in
privater Trägerschaft eine schlechtere Behandlungsqualität erbringen als andere Kranken-
häuser“. Die Vielfalt der Krankenhausträger wertet die Regierung als „wichtiges und erhaltens-
wertes Merkmal der Krankenhausversorgung in Deutschland“. Veränderungen in der Träger-
schaft deutscher Krankenhäuser sehe sie als Ausdruck und Folge eines Wettbewerbs, der
Chancen zur Verbesserung der Qualität der Krankenhausversorgung biete. Wissenschaft-lich
belastbare Erkenntnisse zu den Auswirkungen des Fallpauschalen-Systems aus der DRG-
Begleitforschung liegen der Bundesregierung noch nicht vor. Es ließen sich jedoch Erkennt-
nisse aus der derzeitigen Fakten- und Literaturlage ableiten. Demnach würde die Krankenhaus-
verweildauer sinken, die Transparenz über Krankenhausleistungen sei nachhaltig gesteigert
worden und viele Krankenhäuser hätten Maßnahmen zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit
ergriffen. Eindeutige Belege für negative Aspekte wie eine „blutige Entlassung“ gebe es
hingegen nicht. Für eine verzögerte Durchführung der Begleitforschung macht die Bundes-
regierung die Selbstverwaltungspartner auf Bundesebene verantwortlich. Sie habe diese
mehrfach aufgefordert, zügig Begleitforschungsmaßnahmen durchzuführen. Als Ursache für die
Verzögerung nennt die Regierung auch, „dass sich die Selbstverwaltungspartner für eine
differenzierte Herangehensweise zur Vergabe der Forschungsaufträge entschieden haben“. Der
Bundesregierung habe keine Möglichkeit offengestanden, eine eigene Begleitforschung zum
DRG-System durchzuführen.



UMFRAGE: ZWEI-KLASSEN-MEDIZIN FÜR ÄRZTE BEREITS REALITÄT
Ein Großteil der Ärzte hält eine Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland für Realität. Zu diesem
Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im
Auftrag der Allianz Deutscher Ärzteverbände. Demnach sind mehr als zwei Drittel der Ärzte der
Meinung, dass ihr Behandlungsalltag durch eine Zwei-Klassen-Medizin geprägt ist. Drei Viertel
von ihnen glauben außerdem, dass sich die Situation in Zukunft noch verschlechtern wird. Von
den Befragten, die noch nichts von einer Zwei-Klassen-Medizin spüren, glauben 40 Prozent,
dass diese in Zukunft kommen wird. Mehr als die Hälfte der Befragten bestätigen den Eindruck,
dass Patienten immer länger auf Arzttermine warten müssen – etwa 70 Prozent erwarten, dass
sich die Wartezeiten in Zukunft noch verlängern werden. 67 Prozent der Klinikärzte haben
zudem das Gefühl, sich nicht mehr ausreichend um ihre Patienten kümmern zu können. Eine
große Mehrheit der Mediziner spricht sich für mehr Transparenz im Gesundheitswesen aus.
Fast 87 Prozent fordern, dass Patienten generell eine Übersicht über die Kosten erbrachter
medizinischer Leistungen erhalten sollten. Viele Ärzte halten eine direkte Abrechnung mit dem
Patienten für sinnvoll. Klaus Bittmann, Sprecher der Allianz Deutscher Ärzteverbände, zeigte
sich überrascht, dass nur noch jeder dritte Arzt mit der Kassenärztlichen Vereinigung abrech-
nen möchte. Den deutlichen Unterschied zwischen Ost und West führte er auf ein höheres Maß
an Vertrauen der Ostärzte gegenüber den KVen und einen geringeren Anteil an Privatpatienten
zurück. Für die Studie wurden Ende August mehr als 500 ambulant und stationär tätige Ärzte
befragt. Die Allianz Deutscher Ärzte nutzte die Ergebnisse, um vor der Bundestagswahl zentra-
le Forderungen an die Politik zu stellen. Dazu zählten zum Beispiel der Erhalt von Freiberuf-
lichkeit und der Therapiefreiheit, der Schutz der Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und
Patient sowie mehr Transparenz im Gesundheitswesen. http://www.nav-virchowbund.de



STUDIE: PATIENTEN FÜHLEN SICH BEIM NIEDERGELASSENEN ARZT GUT AUFGEHOBEN
Ein Großteil der Patienten fühlt sich beim niedergelassenen Arzt gut aufgehoben. Das hat die
Brendan-Schmittmann-Stiftung des NAV-Virchow-Bundes im Rahmen des Qualitätsprojekts
„Praxisbewertung“ in einer Studie ermittelt. Mehr als 2.300 Patienten wurden zu ihrer Meinung
zu Haus-, Fach-, und Zahnärzten befragt. Danach finden 90 Prozent, dass ihr Arzt ein gutes
Einfühlungsvermögen besitzt. Ebenfalls 90 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie
von ihrem Arzt viel Zuspruch erfahren. Etwa 87 Prozent der Patienten fühlen sich gut in
Entscheidungen über medizinische Behandlungen mit einbezogen. Wiederum 90 Prozent der
Patienten stimmen zu, dass ihnen der Arzt aufmerksam zuhört. Laut Befragung sind Hausärzte
am verständnisvollsten: 90,66 Prozent der Hausarztpatienten stimmten der Aussage, ihr Arzt
habe viel Verständnis für sie, voll und ganz zu. Bei den Fachärzten waren dies 82,51 und bei
den Zahnärzten 88,82 Prozent. http://www.nav-virchowbund.de



Mit freundlichem Gruß

Ihre Pressestelle der deutschen Ärzteschaft, Herbert-Lewin-Platz 1 (Wegelystr.)

10623 Berlin, Tel.: (030) 4004 56-700, Fax: (030) 4004 56-707, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

V.i.S.d.P.: Alexander Dückers