BÄK Newsletter 2009-004 vom 25.06.2009

Union fordert Korrekturen an Gesundheitsreform | 11,8 Milliarden Euro für die GKV im nächsten Jahr | Schmidt lehnt Vorschlag der BÄK erneut ab | Massive Kritik am AOK-Arzt-Navigator | Bürger rechnen lt. Umfrage mit Einschränkungen im Gesundheitssystem | Bürger rechnen lt. KBV-Befragung mit Einschränkungen im Gesundheitssystem | AOK startet eigenes QM-System für Arztpraxen

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WAHLPROGRAMM: Union fordert Korrekturen an Gesundheitsreform
BUNDESHAUSHALT: 11,8 Milliarden Euro für die GKV im nächsten Jahr
PRIORISIERUNG: Schmidt lehnt Vorschlag der BÄK erneut ab
ARZTBEWERTUNGSPORTALE: Massive Kritik am AOK-Arzt-Navigator

UMFRAGE: Bürger rechnen mit Einschränkungen im Gesundheitssystem
KBV-VERSICHERTENBEFRAGUNG: Schlechte Noten für Gesundheitsreform QUALITÄTSMANAGEMENT: AOK startet eigenes System für Arztpraxen

WAHLPROGRAMM: UNION FORDERT KORREKTUREN AN GESUNDHEITSREFORM
Erst am 28. Juni wollen die Vorstände von CDU und CSU ihr Bundestagswahlprogramm be- schließen. Doch Auszüge aus ersten Entwürfen kursieren bereits in der Berliner Szene. Danach strebt die CDU/CSU beim Thema Gesundheitspolitik offensichtlich „erforderliche Kurskorrekturen“ an, insbesondere beim ärztlichen Honorarsystem sowie beim Risikostrukturausgleich. Der Gesundheitsfonds selbst soll aber offenbar nicht auf den Prüfstand gestellt werden. In einem Entwurf des Wahlprogramms heißt es dazu lediglich, „Struktur, Organisation und Finanzierung sowohl der gesetzlichen als auch der privaten Krankenversicherung“ müssten „ständig weiter- entwickelt“ werden auch im Hinblick auf mehr Generationengerechtigkeit. Mit keinem Wort er- wähnt wird die Einführung der sogenannten Gesundheitspauschale, wie CDU und CSU es noch in ihrem Wahlprogramm 2005 gefordert hatten. Die Union setzt vielmehr auf Steuerzuschüsse. Die „Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen“ sei ein wichtiges Element. Hinzu- kommen müsse mehr Transparenz und echte Wahlfreiheit für Versicherte. Die Union bekennt sich zu einem selbstverwalteten Gesundheitswesen und lehnt eine Staatsmedizin ab. „Vor allem der Selbstverwaltung der Ärzte ist daher die Möglichkeit zu geben, sich wieder als echte Interes- senvertretung ihrer Mitglieder zu etablieren“, heißt es in dem Programmentwurf. Therapiefreiheit, freie Arzt- und Krankenhauswahl sowie freie Gesundheitsberufe gehörten zum Kern eines freiheitlichen Gesundheitswesens. Die Freien Berufe müssten auch weiterhin eine der tragenden Säulen erstklassiger Patientenversorgung sein. „Um dies zu gewährleisten, werden wir bürokratische Vorgaben und Dokumentationspflichten drastisch auf ein Maß reduzieren, das zur Abrechnung und Qualitätssicherung unabdingbar notwendig ist“, schreibt die Union weiter. „Wir brauchen mehr Transparenz und Wettbewerb und weniger Bürokratie im Gesundheitswesen.“ Bei der vertragsärztlichen Vergütung sollen nach dem Willen der Union die regionalen Rahmenbedingungen und die Besonderheiten der Leistungen der einzelnen Arztgruppen berücksichtigt werden. Den Ärzten werde mit festen Euro-Preisen Planungssicherheit geben. Allerdings gib es die klare Einschränkung: „Es muss gewährleistet werden, dass die Ausgabensteigerungen sich im Rahmen der allgemeinen Kostenentwicklung im Gesundheitswesen bewegen.“ Unabdingbar sei auch künftig eine kollektivvertragliche Regelung zur Sicherstellung der medizinischen Ver- sorgung im ländlichen Raum. CDU und CSU wollen aber zugleich die Voraussetzungen für ein- zelvertragliche Regelungen zwischen den Kassen und Leistungserbringern sowie für individuell zugeschnittene Versorgungskonzepte in den Regionen schaffen. Die Union bekennt sich zur hausarztzentrierten Versorgung und zu einem breiten Spektrum an freiberuflichen niedergelas- senen Fachärzten. Medizinische Versorgungszentren, heißt es im Programm, sollten nur unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen werden. Wesentlich sei dabei vor allem, dass diese nur von Ärzten und Krankenhäusern als Träger verantwortlich geführt werden. Die Union spricht sich darüber hinaus für eine Stärkung der unabhängigen Patientenberatung und ein eigenes Patientenschutzgesetz aus, in welchem die Patientenrechte weiterentwickelt werden sollen. CDU und CSU fordern außerdem eine Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung. Deshalb wolle man die Prävention aufwerten, allerdings ohne dabei eine neue Bürokratie zu schaffen. Ein wichtiger Schritt zur Stärkung von Eigenverantwortung, Prävention und Gesundheitsförderung sei die Weiterentwicklung von Bonus-Modellen, Wahl- und Selbstbehalttarifen.
Beim Thema Drogenpolitik macht die Union deutlich, dass sie eine „Legalisierung“ angeblich „weicher Drogen“ ablehnt. Im Bereich der Krankenhausfinanzierung wollen CDU und CSU am bestehenden System festhalten. „Einen bundesweiten Einheitspreis lehnen wir ab. Das Recht der Länder, eigenständig zwischen der Förderung durch Investitionspauschalen und der Einzel- förderung von Investitionen zu entscheiden, bleibt erhalten“, heißt es im Programm. Die Union bekennt sich in ihrem Wahlprogramm ausdrücklich zur privaten Krankenversicherung als Voll- und Zusatzversicherung. „Wir wollen, dass die gesetzlichen Möglichkeiten der Zusammenarbeit von gesetzlicher und privater Krankenversicherung beim Angebot von Wahl- und Zusatzleistungen stärker als bisher genutzt und erweitert werden. Eine staatliche Einheitsversicherung lehnen wir ab“, heißt es im Programm. Die Gesundheitswirtschaft ist nach Ansicht von CDU und CSU eine der größten Wachstumsbranchen in Deutschland. Diese Branche werde auch in Zukunft auf Wachstums- und Beschäftigungskurs bleiben.

BUNDESHAUSHALT: 11,8 MILLIARDEN EURO FÜR DIE GKV IM NÄCHSTEN JAHR
Die gesetzliche Krankenversicherung erhält im kommenden Jahr einen Bundeszuschuss in Höhe von 11,8 Milliarden Euro. Das gab Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bei der Vorstellung des Bundeshaushaltes 2010 am 25. Juni in Berlin bekannt. Ursprünglich war ein Zuschuss von 5,5 Milliarden Euro zur pauschalen Abgeltung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben der Kranken-assen vorgesehen. Durch das Konjunkturpaket II wird der Betrag um 6,3 Milliarden Euro aufgestockt. Im Gegenzug wird der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung von 15,5 auf 14,9 Prozent gesenkt. Das voraussichtliche Defizit im Gesundheitsfonds in Höhe von drei Milliarden Euro wird 2009 durch ein Staatsdarlehen ausgeglichen. Ob dieses zurückgezahlt werden muss oder in einen Bundeszuschuss umgewandelt wird, ist derzeit noch unklar. Der Bundeszuschuss erhöht sich in 2011 um weitere 1,5 Milliarden Euro und beträgt ab 2012 jährlich 14 Milliarden Euro.


PRIORISIERUNG: SCHMIDT LEHNT VORSCHLAG DER BÄK ERNEUT AB Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat erneut dem von der Bundesärztekammer einge- brachten Vorschlag zur Priorisierung von Gesundheitsleistungen im System der GKV eine klare Absage erteilt. Es dürfe keine Situation entstehen, in der ein Gremium, wie von BÄK-Präsident Prof. Jörg-Dietrich Hoppe gefordert, darüber entscheidet, welche Krankheiten in der gesetzlichen Krankenversicherung noch behandelt werden sollen, sagte Schmidt am Montag (22. Juni 2009) auf dem Kongress „Health world 2009“ in Aachen. Die Ministerin plädierte dafür, zukünftig Innovationen an die Qualifizierung der Leistungserbringer zu binden. „Wir können nicht mehr zulassen, dass jeder alles verordnen kann“, sagte Schmidt. „Bestimmte Dinge dürfen in der Erstverordnung nur von Ärzten verschrieben werden, die eine entsprechende Qualität haben“, sagte sie. Als Beispiel nannte Schmidt die Verordnung von onkologischen Arzneimitteln durch Schwer- punktpraxen oder onkologische Zentren. Ein weiterer Bereich, in dem die Ministerin Handlungs- bedarf sieht, ist der Ausbau der Kosten-/Nutzenbewertung von Arzneimitteln. „Medizinischer Fortschritt kann nur dann bezahlt werden, wenn es wirklich Fortschritt ist“, sagte die SPD- Politikerin. Bei allen Maßnahmen müsse konsequent geprüft werden, ob sie tatsächlich dazu beitragen, Krankheiten besser erkennen und behandeln zu können oder die Lebensqualität zu steigern. Sie wolle auch in Zukunft eine wohnortnahe Versorgung durch niedergelassene Haus- und Fachärzte und Kliniken der Grundversorgung sicherstellen, betonte Schmidt. „Was verbessert werden muss, ist die Kooperation.“ Erfahrungen aus dem Ausland belegten, dass die Abschaffung der Facharztpraxen die Versorgung nicht verbessert. „In den Niederlanden zeigt sich, dass es nicht im Sinne der Patienten ist, wenn sie für die Behandlung immer weit ins Kranken- haus fahren müssen“, erläuterte Schmidt. Zu guter letzt: Der höchste Kassenverband liefert neuen Zündstoff in der Diskussion um mögliche Einschnitte für Patienten. „Wir sind in der Priorisierung im Gemeinsamen Bundesausschuss schon lange drin“, sagte Johann-Magnus von Stackelberg, Vize-Chef des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Ärztepräsident Hoppe hatte mit der Forderung nach einer Diskussion um die Priorisierung heftige Reaktionen auch bei den Krankenkassen ausgelöst. Inzwischen räumt Stackelberg aber ein, dass der G-BA bereits heute Hinweise gebe, nach denen Arzneimittel nur in bestimmten Fällen bezahlt werden sollen. „Das wird weitergehen“.


ARZTBEWERTUNGSPORTALE: MASSIVE KRITIK AM AOK-ARZT-NAVIGATOR Das geplante Arztbewertungsportal der AOK hat für heftige Diskussionen gesorgt. Mediziner haben vor einem populistischen Bewertungssystem ohne Aussagekraft gewarnt. Anonyme Frau- gebögen als Grundlage für Rankings zu nutzen, hält Bundesärztekammer-Präsident Prof. Jörg- Dietrich Hoppe für unseriös. Während sich andere Krankenkassen offen für ein Arzt- Bewertungsportal zeigen, mehren sich die kritischen Stimmen in den eigenen Reihen. So will die baden-württembergische AOK den umstrittenen Ärzte-TÜV nicht mittragen, weil ein solches Portal zu einer völlig unnötigen Belastung des Verhältnisses zwischen AOK und den Ärzten vor Ort führe. Im Bayerischen Landtag hat der AOK-Arzt-Navigator offenbar ebenfalls eine heftige De- batte entfacht. Laut Medienberichten sollen CSU, FDP und Freie Wähler das geplante Bewertungsportal abgelehnt haben, während SPD und Grüne die Pläne begrüßten. Die AOK hatte bei einem Presseseminar am 12. Juni 2009 in Bad Saarow angekündigt, zukünftig Leistung und Service der rund 185.000 niedergelassenen Mediziner und Zahnärzte im Internet von ihren 24 Millionen Versicherten öffentlich bewerten zu lassen. Das Bewertungsportal „AOK-Arzt- Navigator“ soll im kommenden Jahr starten und zielt angeblich auf Verbesserungen der Behandlungsqualität ab. „Der AOK-Arzt-Navigator soll unseren Versicherten bei der Suche nach den besten Ärzten eine Hilfestellung geben“, sagte AOK-Vize Jürgen Graalmann. Dazu werde die AOK in Zusammenarbeit mit Medizinern und der Bertelsmann-Stiftung eine Reihe von Kriterien erarbeiten. Geplant sei eine Plattform, um Patienten die Möglichkeit zu geben ihren Arzt, seine Behandlungsqualität oder auch seinen Service zu bewerten, so Graalmann BÄK-Präsident Hoppe hält wenig von diesen Plänen. Jeder Patient habe das Recht auf bestmögliche Behandlung.„Doch es ist unseriös, anonyme Fragebögen als Grundlage für Ranglisten zu nutzen, wie das einige Arzt-Bewertungsportale im Internet bereits jetzt praktizieren“, sagte Hoppe. Falls die AOK tatsächlich diesen Weg beschreite, erweise sie den berechtigten Ansprüchen ihrer Mitglieder auf gesicherte Information einen Bärendienst. Der im Internet anonym bewertete Arzt habe keine Möglichkeit, „auf Kritik zu reagieren und Missverständnisse richtig zu stellen“. Leistungsverglei- che von Ärzten und Krankenhäusern seien wichtig. Den Patienten sollte es erleichtert werden, die Entscheidung für eine Behandlung nach ihren persönlichen Bedürfnissen selbstständig treffen zu können. „Wir setzen deshalb auf die bereits etablierten, anerkannten Zertifizierungsverfahren der KTQ für Krankenhäuser und Ärzte“, so Hoppe weiter. BÄK-Vize Dr. Frank-Ulrich Montgomery kritisierte die „Marketing-Mätzchen“ der AOK ebenfalls. „Ein Ärzte-TÜV bietet lediglich eine Plattform für Denunzianten.“ Im Internet, so Montgomery in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“, meldeten sich nur diejenigen mit extremer Meinung zu Wort. Außerdem könnten Patienten lediglich „Soft-Qualitäten“ wie die Verständlichkeit des Arztes oder seine Praxisorganisation bewerten. Aber beim Auto-TÜV würde ja auch objektiv geprüft und nicht geschaut, ob den Prü- fern die Farbe gefalle, so Montgomery. Besser als das anonyme Internet sei die telefonische Patientenberatung der Landesärztekammern, an der sich die AOK gern beteiligen könne, so Montgomery. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte, die AOK müsse verhindern, dass Patienten „böswillige oder möglicherweise manipulierte“Bewertungen eintragen. Es bestehe die Gefahr von Kampagnen, mit denen Ärzte „hoch oder runter bewertet“ werden könn- ten. Er sehe anonyme Bewertungen sehr kritisch. Bereits zur Beurteilung von Krankenhäusern eingeführte objektive, qualitätssichernde Urteile wären seiner Ansicht nach besser als zusammengefasste ungesicherte Meinungsäußerungen. Derweil hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe am Dienstag (23. Juni 2009) entschieden, dass die Bewertung von Lehrern im Internet nicht gegen deren Persönlichkeitsrecht verstößt. Schüler dürfen demnach auf „Spickmich.de“ weiter- hin Noten für Lehrer vergeben. Damit hatte der BGH erstmals über die Zulässigkeit der von Schülern im Internet abgegebenen Lehrerzensuren entschieden. Die Senatsvorsitzende Gerda Müller betonte aber, dass damit nicht alle Bewertungsportale für zulässig erklärt würden. Viel- mehr müsse jeder Einzelfall geprüft werden.


UMFRAGE: BÜRGER RECHNEN MIT EINSCHRÄNKUNGEN IM GESUNDHEITSSYSTEM
Die Diskussionen über knappe Ressourcen im Gesundheitswesen und Priorisierung medizinischer Leistungen scheinen bei der Bevölkerung in Deutschland angekommen zu sein. Einer aktuellen Umfrage der Allianz Krankenversicherungs-AG zufolge rechnen 84 Prozent der Bundesbürger mit weiteren Einschränkungen in der medizinischen Versorgung. Weitere 31 Prozent fühlten sich schon einmal unzureichend behandelt. Die repräsentative Studie, bei der Männer und Frauen ab 14 Jahren nach ihrer Meinung zu Priorisierung im Gesundheitswesen gefragt wurden, war von der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag der Allianz im Februar dieses Jahres durchgeführt worden. Die Bevölkerung in Deutschland wünscht sich demnach mehr Gerechtigkeit und eine höhere Transparenz bei der Vergabe medizinischer Leistungen. Die Mehrheit spricht sich für ein Gremium aus, das die entsprechenden Entscheidungen fällt. Wilfried Johannßen, Vorstandsmitglied der Allianz Krankenversicherungs-AG, erklärte, dass das Thema in Deutschland eine lange Zeit gemieden worden sei, es aber in nicht allzu ferner Zukunft zu größeren Veränderungen im Gesundheitssystem kommen müsse. Ein Anstieg des Beitragssatzes auf bis zu 40 Prozent, wie es vor dem Hintergrund des demographischen Wandels zu erwarten sei, wäre auf Dauer nicht zu finanzieren. Bei einem Priorisierungsverfahren wüssten die Bürger zumindest, „dass sie alle gleich behandelt werden“, betonte Johannßen. Bei den Kriterien, nach denen medizinische Leistungen erbracht werden sollen, steht eine Entscheidung nach Dringlichkeit der Behandlung bei den Befragten mit 86 Prozent an erster Stelle. 55 Prozent stimmten für eine Priorisierung nach Wartezeit. Bestimmte Leistungen ab einem bestimmten Alter nicht mehr zu erbringen, stieß bei der Mehrheit der Befragten auf Ablehnung. Uneinigkeit bestand allerdings dahingehend, ob eigenverantwortlich verursachte Schädigungen – wie zum Beispiel Rauchen oder Übergewicht – bei der Verteilung von Gesundheitsleistungen berücksichtigt werden sollten. Krankenhaus- und zahnärztliche Behandlungen sind der Bevölkerung laut Umfrage am wichtigsten. An dritter Stelle stehen Maßnahmen zur Krebsprävention. Auf künstliche Befruchtung und Schwangerschaftsabbrüche könnten die Studienteilnehmer am ehesten verzichten, wobei sich hierbei zeigte, wie sehr der Stellenwert der Behandlung mit dem Alter und der Lebenssituation zusammenhängt. Https://www.allianz.de


KBV-VERSICHERTENBEFRAGUNG: SCHLECHTE NOTEN FÜR GESUNDHEITSREFORM
Mehr als die Hälfte der Krankenversicherten in Deutschland glaubt, dass sich die gesundheitliche Versorgung durch die jüngste Gesundheitsreform der großen Koalition verschlechtert hat.
Das hat die aktuelle Versichertenbefragung der KBV ergeben, die zum dritten Mal von der For- schungsgruppe Wahlen durchgeführt wurde. 41 Prozent der Befragten sehen keine Veränderung und nur 5 Prozent sind der Meinung, es habe eine Verbesserung der Versorgung gegeben.
Von der Gesamtbewertung des Gesundheitssystems unterscheidet sich die Einschätzung der persönlichen Lage jedoch deutlich: Mehr als drei Viertel der Befragten fühlen sich im Krankheits- fall gut oder sehr gut abgesichert. KBV-Chef Dr. Andreas Köhler schloss aus dem Ergebnis auf eine gute Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland. Die Auswertung zeigte, dass der Gesundheitsfonds mehrheitlich skeptisch gesehen und eine Verschlechterung der gesundheitlichen Versorgung befürchtet wird. Besonders kritisch zeigten sich hierbei die Befragten zwischen 30 und 70 Jahren. Dass der einheitliche Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung auch zu einer gleichwertigen Behandlung aller Versicherten führt, glaubt nur ein Viertel der Befragten. Zudem zeigten sich Unterschiede zwischen gesetzlich und privat Versicherten.
Dabei fühlen sich privat Versicherte insgesamt besser abgesichert und empfinden weniger Ver- schlechterung durch gesundheitspolitische Veränderungen. Unabhängig von der Art der Versicherung wünschen sich mehr als die Hälfte der Versicherten mehr Informationen über das Ge- sundheitssystem von den Krankenkassen. Einen besonders hohen Stellenwert besitzt bei den Versicherten in Deutschland Kontinuität bei der ärztlichen Behandlung. 87 Prozent der Befragten halten es für sehr wichtig oder wichtig, immer vom selben Arzt behandelt zu werden. „Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass das Vertrauensverhältnis zum behandelnden Arzt für Versicherte von höchster Bedeutung ist“, betonte KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller. Fast genauso wichtig ist den Befragten die wohnortnahe Versorgung. 94 Prozent gaben an, einen Hausarzt zu haben.
Ein eher schlechtes Ergebnis ergab sich für die Hausarztmodelle. Zwar konnten sie einen höheren Bekanntheitsgrad und eine größere Teilnehmeranzahl für sich verbuchen. Jedoch gaben 69 Prozent der Befragten an, dass sich durch die Teilnahme an einem solchen Modell ihre Versorgung nicht verändert habe. Nur 13 Prozent gaben an, eine Verbesserung zu spüren und die Zahl derer, die sich dadurch schlechter versorgt fühlen, stieg von 9 auf 14 Prozent. Http://www.kbv.de


QUALITÄTSMANAGEMENT: AOK STARTET EIGENES SYSTEM FÜR ARZTPRAXEN
Der AOK-Bundesverband und das Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und For- schung haben ein eigenes System von Qualitätsindikatoren für Arztpraxen entwickelt. Das Qua- litätsIndikatoren-System für die Ambulante Versorgung (QISA) soll die Behandlungsqualität in Arztpraxen abbilden und ist vorrangig für die hausärztliche Versorgung konzipiert. Das Angebot richtet sich vor allem an das Qualitätsmanagement neuer Versorgungsformen oberhalb der Ebene einzelner Praxen. Medizinische Versorgungszentren, Arztnetze, Qualitätszirkel und Haus- arztverträge sollen gleichermaßen davon profitieren. „Wir wollen den Ärzten helfen, die Versor- gung besser zu managen“, erklärte Prof. Joachim Szecsenyi, Leiter der Abteilung Allgemeinme- dizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg und einer der Herausgeber von QISA. „Die Indikatoren bieten Orientierung, wo eine Praxis oder eine Region im Hinblick auf wichtige Qualitätsaspekte in der Versorgung steht.“ Damit könnte das System laut AOK auch Grundlage für Selektivverträge werden. Das System ist in mehrere Bausteine unterteilt. Je Krankheitsbild gibt es ein Set von zehn bis zwölf Indikatoren, anhand derer die Behandlungs- qualität in bestimmten Bereichen wie zum Beispiel der Prävention oder häufige Erkrankungen wie Rückenschmerz oder Asthma bronchiale gemessen werden kann. Für den Bereich der Pharmakotherapie kann beispielsweise erhoben werden, welche Patienten wie viele Medikamente bekommen, oder ob Probleme mit der Arzneimitteltherapiesicherheit auftreten. Für die Erkrankung Diabetes könnte der HBA1c-Wert oder die Anzahl der Fußamputationen eine Orientierung bieten. Darüber hinaus kann QISA den Stand der Fort- und Weiterbildung der Ärzte und des Praxispersonals erfassen. Ziel soll es sein, mit Hilfe der Indikatoren die Qualität in der ambulanten Versorgung greifbar zu machen. Es sei nach wie vor ein Problem, dass jeder etwas anderes unter dem Begriff Qualität verstehe, so Szecsenyi. Ob die QISA-Daten auch für den 2010 geplanten AOK-Arzt-Navigator genutzt werden sollen, dazu machte Szecsenyi allerdings keine direkte Aussage. Http://www.aok-bv.de


Pressestelle der deutschen Ärzteschaft, Herbert-Lewin-Platz 1 (Wegelystr.), 10623 Berlin, Tel.: (030) 4004 56-700, Fax: (030) 4004 56-707,eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! V.i.S.d.P.: Alexander Dückers

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